Es war nicht ein einzelnes Ereignis, sondern viele zusammen. Aber an einen Moment erinnere ich mich besonders gut: Meine Frau fragte mich, was ich bei der Abstimmung zur E-ID stimmen werde. Und ich merkte, dass ich nirgends einen Ort finde, an dem ich sehe, was die Schweizerinnen und Schweizer darüber wirklich denken. Es gibt politische Sendungen, in denen jede Seite vor allem ihr eigenes Programm abspielt und verteidigt. Es gibt Berichte, deren Kommentarspalte nach 24 Stunden wieder bei null beginnt. Und es gibt das Abstimmungsbüchlein, dünn und sehr oberflächlich. Aber einen Raum, in dem man ehrlich und in Ruhe darüber diskutiert, fand ich nicht.
Dazu kommt etwas, das mich schon länger nervt. Einerseits spüre ich auch in meinem Bekanntenkreis, wie die Polarisierung zunimmt, und andererseits liegt es vielleicht am Älterwerden, aber ich beobachte zunehmend, wie wir verlernt haben, eine andere Meinung auszuhalten. Hinzu kommt, dass viele erwarten, dass man sich entscheidet: für sie oder gegen sie, Team A oder Team B. Ein Dazwischen gibt es nicht. Als ob die Welt so einfach wäre. Dass die heutigen Algorithmen darauf ausgelegt sind, uns emotional zu fangen, individuell abzuholen und damit länger an ihre Plattform zu binden, hilft bei diesen Trends sicher nicht.
Diese Entwicklung sehe ich nicht nur bei uns. Die politische Landschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert und wird protektionistischer. Wo früher Partnerschaften, gemeinsame Werte und Ländergrenzen respektiert wurden, scheint heute oft nur noch Stärke zu zählen. Gleichzeitig sind die grossen Social-Media-Konzerne eng mit ihren eigenen Regierungen verbandelt. Das ist für die Schweiz und Europa keine gute Nachricht: Die bekannten globalen Plattformen interessieren sich nicht für unsere Gesprächskultur, für unsere halbdirekte Demokratie oder für das Wohlbefinden der Menschen hier.
Für mich liegt die Antwort nicht einfach in der Kopie einer bestehenden Plattform, deren einziger USP die kontinentale Hoheit ist. Und auch nicht in einer Plattform, die eine Seite ausschliesst und nur eine Bubble bedient. So finden wir nicht wieder zueinander.
Ich wünsche mir einen Ort für die Menschen in der Schweiz, an dem über echte Ideen, starke Argumente und echte Lebenssituationen diskutiert wird und daraus etwas Konstruktives entsteht oder sich zumindest die eigene Sicht öffnen kann. Ein Ort, an dem auch Tipps, Hilfestellungen und viel Lustiges Platz haben. Und an dem der Algorithmus von der Community bestimmt wird, über Votes und Aktualität, nicht davon, ob er dich in deiner Meinung bestätigt oder dich mit der Gegenposition provoziert.
Mit Bedauern beobachte ich ausserdem, wie der Chef des grössten Schweizer Medienkonzerns von einer Zukunft spricht, in der digital nur noch drei Newsmarken überleben. Was würde es für unser politisches System bedeuten, wenn das tatsächlich so käme? Wir brauchen neue Wege, wie Lokaljournalismus sowie lokale und nationale Creator nachhaltig von ihrer Arbeit leben können — damit wir auch in zwanzig Jahren noch Medienvielfalt und eine unabhängige vierte Gewalt haben.
Was mich weiter sehr interessiert: Worüber sprechen wir in der Schweiz, wenn der internationale Feed wegbleibt? Und trauen wir uns, offen und ehrlich zu diskutieren? Anders als anderswo verschwindet hier nichts nach 24 Stunden.
Ich wünsche mir, dass Creator und freischaffende Journalist:innen hier einen wertvollen Platz finden — und so belohnt werden, dass sie eine echte, neue Einnahmequelle erhalten. Ich wünsche mir einen digitalen Ort, an dem wir unsere eigenen, inneren Barrieren überwinden. Einen Ort, an dem wir wieder zueinander finden, statt uns voneinander wegzubewegen. Ich wünsche mir einen eigenen, besseren digitalen Raum für die Schweiz und lade dich herzlich ein, ein Teil davon zu werden. Teil von whatabout.
Ich starte mit der Hoffnung, dass ich mit diesen Ansichten und Wünschen nicht alleine dastehe und viele von euch für whatabout und seine Vision begeistern kann. Ich hoffe, dass ihr mir Feedback gebt, Kommentare und Posts votet, mir sagt, was ihr euch von einem Schweizer Social Media wünscht, Ideen postet, diskutiert und ab und zu wieder vorbeischaut, um die Fortschritte zu sehen.
Schön, bist du hier. Und schön, dass du das gelesen hast. Auf eine gute Zeit miteinander.
Liebe Grüsse
Bruno
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